Ciudad Perdida

Von der Tatacoa-Wüste bis nach Santa Marta benötige ich mit Tuktuk, dann Jeep und zwei Bussen 31 Stunden bis Santa Marta. Von hier aus möchte ich die 4-tägige Wanderung zur Ciudad Perdida, der verlorenen Stadt, machen, einer Ruinenstadt inmitten der Berge und Wälder.

Ich habe diese Wanderung vorgezogen, da mich meine Schwester besuchen kommt und wir dann den bereisen, für die Tour aber keine Zeit haben. Daher eine sehr lange Busfahrt!

Santa Marta ist ein nettes Städtchen an der Karibikküste, wo alles etwas teuerer ist als im Süden des Landes. Aber das liegt wohl eher am Tourismus! Ich buche die teure Wandertour für den nächsten Tag und mache mir einen entspannten Abend.

Um 8:40 Uhr geht es los! Oder es soll losgehen. Allerdings werde ich in der Reiseagentur noch um ein wenig Geduld gebeten. Gegen 9 Uhr besteigen das Auto und warten auf die Abfahrt, die dann nochmal 20 Minuten später auch endlich stattfindet.

Anderthalb Stunden dauert die Fahrt zum Eingang des Nationalparks, wo sich aus den verschiedenen Orten angereiste Personen zusammenfinden und jeder ein Eintrittsband für den Nationalpark erhält. Eigentlich würden wir von hier aus direkt ins nächste Dorf fahren, aber wir warten noch auf zwei Personen. Mehr als eine Stunde später machen wir uns dann ohne die beiden auf den Weg.

Im 30 Minuten entfernten Dorf Mamey gibt es dann noch ein Mittagessen und eine der vermissten Personen taucht auch noch auf, bevor wir uns gegen 14 Uhr auf die Strecke begeben. Was Brandon zugestoßen ist, dass er nicht hier ist, werden wir wohl nicht erfahren. Personen, die ihn bereits getroffen haben, mutmaßen, dass er wohl in der letzten Nacht zu tief ins Glas geschaut hat.

So ist unsere Gruppe nun 9 Personen stark plus zwei Guides und ich einen Koch, der uns immer voraus ist, um uns ein wundervolles Essen zu kreieren. Denn das Essen ist in der Tat ziemlich gut.

Transportiert wird das Essen durch die vielen Maulesel, denen man auf dem Weg immer wieder begegnet. Auch muss man aufpassen, dass man nicht in die Scheiße tritt.

Die ersten zwei Stunden folgen wir der Straße und treffen immer wieder auf Geschäfte, in denen Getränke und Souvenirs angeboten werden. Habe ich nicht genug für die Tour selbst bezahlt?

Dann wird der Weg schmaler und die Landschaft wilder, bevor wir anderthalb Stunden später im ersten Camp ankommen. Insgesamt war der erste Tag der Wanderung nicht besonders interessant.

Das Camp besteht aus einer Ansammlung von Doppelstock-Betten, alle mit Mosquitonetz ausgestattet, die in vier Reihen aufgestellt sind. Daneben gibt es eine große Küche, Tische, Duschen und Toiletten. Alles ist von einem großen Dach gegen Regen gesichert, aber ansonsten an der frischen Luft, wie es auch in den anderen Camps sein wird. Bei den hiesigen Temperaturen ist mehr aber auch nicht nötig. Vier Gruppen werden heute hier ihr Nachtlager aufschlagen.

Am Abend erhalten wir einige Informationen zu dem indigenen Volk, dass in dem Gebiet wohnt und von dem wir immer wieder einzelne Personen auf dem Weg treffen werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf einen Gegenstand, den die Jungen nach ihrem 18. Geburtstag fertigen. Dafür müssen sie zuerst 20 Tage fasten und verbringen dann acht Tage mit dem spirituellen Führer der Gemeinschaft in einer dunklen Hütte ohne Sonnenlicht, wo ihnen die Fertigung und die Bedeutung des Objekts beigebracht werden.

Leider ist mir der Name entfallen und komischerweise habe ich auch kein Foto davon gemacht… Es handelt sich um eine kleine Flasche, in den man einen im Wald gefundenen und zurecht geschnitzten Stab steckt. Am oberen Ende des Flaschenhalses wird entsteht ein Zylinder aus gemalenen Schneckenhausschalen, Coca-Blättern und Spucke. Dies wird vermischt und dann in Schichten um den Flaschenhals gewickelt, sodass der Zylinder mit der Zeit immer breiter wird. Ob dieser eher gelb, grün oder braun wird, hängt hauptsächlich von der Spucke des Erschaffenden ab.

Der Gegenstand dient aus Ausweis, dass der Junge Mann nun erwachsen ist und an Versammlungen teilnehmen darf und wird daher in der Regel mit sich getragen.

Die Nacht ist klar und so gibt es viele Sterne und auch einen schönen Sonnenaufgang zu sehen. Das einzige Mal auf der Tour. Um 5:30 Uhr gibt es Frühstück, damit wir kurz nach Sonnenaufgang vor der großen Hitze aufbrechen können.

In rund drei Stunden geht es erst bergauf, dann bergab durch die bergige Landschaft. Die Aussichten sind heute deutlich schöner und auch der Weg macht mehr Spaß. Man unterhält sich, bewundert die Natur oder lässt die Gedanken kreisen. Immer wieder gibt es Stops, wo die schnelleren auf die langsameren der Gruppe warten oder wir ein paar Erklärungen zu Natur und Umgebung bekommen.

Nach drei Stunden kommen wir an unserem Mittagsplatz an, wo die meisten von uns zur Erfrischung erstmal in den kühlen Fluss springen, bevor es gegen 10:15 Uhr Mittagessen gibt. Ja, ziemlich früh, aber wir wollen vor der Mittagshitze weiter, da weitere vier Stunden Weg vor uns liegen.

Wir kommen an einem großen Dorf vorbei, in dem sich aber kaum Personen befinden, da es nur zu rituellen Anlässen genutzt wird. Interessant zu erfahren fand ich, dass jede Familie zwei Häuser besitzt, da Männer und Frauen voneinander getrennt leben – ein Haus für die Männer und Jungen, eines für die Frauen und Mädchen – und sich in der Regel nur im Freien treffen.

An einer Pausenstelle haben wir eine lustige Begegnung mit einem Truthahn, der auf unsere Rufe reagiert. Wir ahmen den Truthahn nach und bekommen innerhalb von Sekunden eine Antwort, was für viel Gelächter sorgt. Das halten wir ganze zehn Minuten lang durch. Einige von uns sprechen jetzt fließend „Truthähntisch“. 😅

Diesmal zieht sich die Gruppe weiter auseinander, sodass einige deutlich eher ankommen als andere. Nach der Ankunft springe ich natürlich erst einmal in der Fluss, der hier, etwas weiter oben allerdings so kalt ist, dass ich es kaum fünf Minuten lang darin aushalte. Danach gibt es eine riesige Schale Popcorn, da das Mittagessen so zeitig war und es bis zum Abendessen noch etwas Zeit ist.

Am dritten Tag haben wir dann nur noch eine Stunde Aufstieg zur Ciudad Perdida, rund 1200 Stufen, vor uns. Den gesamten Vormittag verbringen wir mit der Erkundung der verschiedenen Podeste, auf denen einst Lehm- und Stroh-Hütten standen. Da der Ort nach der spanischen Invasion verlassen wurde, ist von den Hütten selbst allerdings nichts mehr übrig. Erst 1976 wurde der Ort wiederentdeckt und ist heute eines der größten Tourismusziele des Landes.

Die Ruinen und die Umgebung sind atemberaubend. Wir finden auch eine Katze hier, die verlorene Katze in der verlorenen Stadt, von der andere Touristen scherzhaft behauptet, es sei die Wiedergeburt des Schamanen!? Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn ich den Preis der Tour für ziemlich überteuert halte. Aber solange es genug Touristen gibt, die den Preis zahlen (wie mich), kann es ja wohl doch nicht zu teuer sein.

Mittag gibt es dann an unserem Camp der letzten Nacht, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Die Strecke bis zum nächsten Nacht-Camp, wo wir am Tag zuvor Mittag hatten, lege ich dann in zwei Stunden zurück statt in 3,5 wie am Vortag und bin damit der erste ankommende Tourist. Ich war irgendwie heute im Tempo-Modus. Drei weitere Personen der Gruppe kommen nur wenige später an, aber auf den Rest der Gruppe warten wir fast weitere zwei Stunden.

Der vierte Tag ist für mich dann wieder gemächlicher. Ich bin fast durchgehend am Ende der Gruppe, genieße die Natur, sehe weitere Tiere und shoppe ein paar Snacks und ein T-Shirt. Wir hatten eine echt harmonische Gruppe, mit der man sich sehr gut unterhalten konnte.

Um 17 Uhr kommen wir dann wieder in Santa Marta an. Die Wanderung war wirklich schön, aber ich hätte sie durchaus auch auf eigene Faust gemacht, werden auf dem Weg Unterkünfte zu buchen gewesen. In Santa Marta gibt es dann erstmal eine Dusche bevor ich meine gesamten Klamotten in die Wäscherei gebe.

Einen weiteren Tag verbringe ich im Ort, um mich am Strand zu entspannen, bevor es heute zurück nach Bogotá geht, um mich mit meiner Schwester zu treffen. Diesmal mit Flugzeug, da dieses nur unwesentlich teurer als der 20-Stunden-Bus war (49 statt 28 Euro).

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