Otavalo und die Grenze

Otavalo ist eine Kleinstadt im Norden Ecuadors, wo jeden Samstag der größte indigene Markt Lateinamerikas stattfindet. Das wollte ich mir noch ansehen, bevor ich das Land verlasse und so geht die Reise weiter.

Am Busterminal werde ich nach meinem Impfnachweis gefragt. Jetzt darf man schon nicht mal mehr Bus fahren ohne Covid-Impfung, wobei aktuell wohl noch akzeptiert, wenn man erst die erste Injektion hatte. Ich vermute, dass die Impfung spätestens zum zweiten Quartal vollständig sein muss. So ist das halt, wenn im Land seit Weihnachten Impfpflicht für alle Personen ab fünf Jahren gilt. Für Einreise gilt die Pflicht bereits seit 01.12. Zumindest liegt die Impfquote hier auch schon bei knapp 80 Prozent. Und da, wie ich gehört habe, Ungeimpfte jetzt Zuhause besucht und zwangsgeimpft werden, wird die Quote wohl weiter steigen.

Nach zwei Stunden Busfahrt komme ich an diesem Donnerstag in Otavalo an und wandere direkt bis zum 3-Kilometer entfernten Wasserfall, eine sehr schöne Wanderung, direkt außerhalb der Stadt. Ich bin kaum fünf Minuten aus dem Ort und direkt im Grünen, wunderbar.

Neben dem Wasserfall gibt es hier auch einige Restaurants und einen Pool zum Schwimmen. Leider habe ich keine Badesachen dabei. Und so begnüge ich mich mit einem kleinen Snack und mache mich vor Einbruch der Dämmerung auf den Rückweg.

Am nächsten Tag besuche ich die Lagune Cuicocha, einem Vulkankrater, der vor circa 2500 Jahren den letzten Ausbruch hatte und dabei die beiden im See liegenden Inseln schuf. Aktiv ist er allerdings noch, was man an verschiedenen Stellen sehen kann, wenn man mit dem Boot fährt. Denn an vielen Stellen steigen Gasbläschen zur Oberfläche.

Eine Wanderung um den Krater dauert drei bis vier Stunden. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Der Weg geht auf und ab, allerdings nicht annähernd so stark wie Quilotoa eine Woche zuvor. Dennoch brauche ich auf einer Höhe von circa 4000 Metern einige Pausen für die 13-Kilometer-Strecke.

Viele tolle Blickwinkel erhalte ich auf die Lagune und an einigen Stellen stehen noch ein paar Inkagebilde wie beispielsweise einen Mondkalender.

Am Samstag besuche ich dann den Markt, der sich nicht nur auf dem Platz befindet wie an anderen Tagen, sondern fast alle Straßen der Innenstadt ausfüllt. Nur die äußeren Straßen werden für den Verkehr freigehalten.

Hauptsächlich werden hier Textilien verkauft: Ponchos, Decken, Pullover, etc. Aber auch Lederwaren, Souvenirs, Kunst und diverse andere Dinge lassen sich hier finden. Man kann problemlos stundenlang an den verschiedenen Ständen entlangschlendern. Ein paar Verkäufer gehen mir auf die Nerven, aber zumeist ist entspannt, da es erstaunlicherweise auch nicht übermäßig voll hier ist. Ich kaufe mir einen neuen Hut, halte mich ansonsten aber aufgrund meines bereits überfüllten Gepäcks zurück.

Am Sonntag geht es dann weiter, um das Land zu wechseln. Mit zwei Bussen fahre ich bis Tulcán, wo ich direkt angesprochen werde, ob ich über die Grenze will. Also buche ich ein 8-Dollar-Ticket nach Ipiales.

Ich hätte mal lieber auf ein Colectivo (1 Dollar) oder Taxi(ca. 5 Dollar) bis zur Grenze gewartet. Denn der Kleinbus rauscht bei der Grenze einfach durch und bringt mich bis in die Stadt. Damit bin ich jetzt wohl illegal in Kolumbien. Ich hätte die Warnhinweise des Auswärtigen Amts ernster nehmen sollen.

Nach dem Einchecken ins Hotel kümmere ich mich um die wichtigsten beiden Besorgungen: Bargeld und eine SIM-Karte. Ich benötige fünf Automaten bis ich einen finde, der mir Bargeld gibt, dass aber gegen unfassbare Gebühren (rund 8 Prozent), hauptsächlich deshalb, weil der Automat den Wechselkurs festlegt und Euros abbucht. Und der Kurs ist eine Katastrophe!

Auf der Suche nach einer SIM-Karte finde ich dann einen weiteren Geldautomaten, der mir nur maximal 300.000 (ca. 67 Euro) gibt, aber das ganz ohne Gebühren. Ich sollte also nach BBVA-Automaten Ausschau halten. Mein Portemonnaie sagt demnach aber jetzt, dass ich Millionär bin. Bei einem Kurs von 4.500 auch nicht so schwer. 😉

Im nächsten Laden bekomme ich eine SIM-Karte, aufladen muss ich sie allerdings an einer anderen Stelle. Verstehen muss man das nicht! Nach einem Abendessen geht es zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen nehme ich für ca. 80 Cent ein Colectivo zur Grenze. Die erste Frage des Fahrers ist, legal oder illegal. Ich erkläre ihm die Situation und er bringt mich bis zur Kontrolle auf der Ecuadorianischen Seite. Wir werden einmal angehalten, allerdings wird lediglich meine Impfung kontrolliert.

Die Ausreise aus Ecuador läuft problemlos. Ich begebe mich wieder auf die Kolumbianische Seite, diesmal ohne das meine Impfung kontrolliert wird. Das sind wohl eher Stichproben. Ich fülle erneut das Online-Einreiseformular aus für den neuen Tag und behaupte ich käme aktuell aus Otavalo. Die Passkontrolle dauert etwas länger, weil es fünf Versuche benötigt, bis mein Pass gelesen werden kann. Bei der Ausreise wurde auch schon alles manuell eingetippt. Keine Ahnung, wo ich den Pass zerstört habe… Letztendlich bekomme ich aber einen Stempel und bin nun legal im Land.

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