Cuyabeno – Amazonía Ecuatoriana

Der Eintrag hat ein wenig gedauert, daher erscheint er jetzt erst vier Tage später. Ich hoffe, ihr versteht das und ich werde mir Mühe geben, den nächsten Eintrag zeitnah hinterher zu schieben.

Von Quito aus habe ich eine 4-Tages-Tour in den Amazonasregenwald Ecuadors gebucht, die am selben Abend um 23 Uhr starten soll. Der Amazonas selbst fließt zwar nicht durch Ecuador, aber der Regenwald nimmt einen großen Teil des Landes ein. Ich wähle das Gebiet rund um den Fluss Cuyabeno, der viele Kilometer durch das Land fließt, bevor er in den Amazonas mündet. Das Gebiet bietet sich an, da es sowohl touristisch erschlossen ist, als auch eines der artenreichsten Gebiete ist.

Da ich bis 23 Uhr noch Zeit habe, entschließe ich mich kurzerhand, Matrix im Kino zu schauen, welchen ich trotz Sprachbarrieren recht gut genieße. Dummerweise fährt danach (halb zehn) kein Bus mehr und ich laufe die sechs Kilometer zurück zum Hostel. Dort sammle ich mein Gepäck ein und warte gemeinsam mit vier anderen Personen auf den Bus. Bereits die Anreise sollte interessant werden.

Ich bin müde und möchte schlafen, aber der Bus lässt auf sich warten. Um 23:25 Uhr taucht er dann endlich auf und wir steigen ein. Wir halten an zwei weiteren Orten und sammeln Personen ein. Gegen Mitternacht geht es mit zwei Busfahrern und zwölf Passagieren dann wirklich los und ich schlafe schnell ein. Zwei Toilettenpausen werden gemacht. Ansonsten bekomme ich nicht viel mit.

Gegen sieben Uhr verlassen wir die asphaltierte Straße und fahren auf Schotterpisten weiter. Wir überqueren einige Brücken, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob diese wirklich für Busse ausgelegt sind, aber unsere Busfahrer managen alles ohne Probleme.

Wir kommen an einen Fluss und ich frage mich, ob es bereits Zeit ist, aufs Boot zu wechseln. Tatsächlich ist dort ein Wasserfahrzeug. Es ist allerdings eine Fähre. Als man uns kommen sieht werden Motorräder zur Seite geschoben, um Platz zu schaffen. Der Bus wendet und fährt dann rückwärts auf das anderhalbmal so breite und knapp längere Schiff als der Bus selbst.

Auf der anderen Flussseite geht die Schotterpiste weiter. Google kennt hier übrigens keinerlei Straßen. Wir sind im Nirgendwo.

Wenige Minuten später treffen wir auf das nächste Hindernis. LKW blockieren die Straße. Man weist uns auf einen Weg zu unserer Linken als Umgehung. Ich halte es für einen schlechten Scherz und auch die Busfahrer scheinen unsicher und fragen nochmal nach. Der der Weg ist vielleicht ein besserer Trampelpfad, aber ganz sicher keine Straße!

Trotzdem schlagen wir den holprigen Weg ein. Ein paar Sträucher und Bäume werden mit der Machete für uns aus dem Weg geräumt und nach 300 Metern erreichen wir erstaunlich problemlos wieder den Schotterweg.

Kurze Zeit später geht es zurück auf die Hauptstraße, der wir weitere zwei Stunden folgen, bevor wir nach insgesamt 10 Stunden Fahrt „Puente Cuyabeno“, die einzige Brücke über den Fluss, erreichen und die ersten Tiere entdecken.

Dort warten wir auf die Boote der verschiedenen Lodges. Mit 11 Uhr Bootsfahrt, wie geplant, wird es hier allerdings auch nichts. Tatsächlich kommt das Boot der Tucán Lodge als Letztes gegen kurz nach zwölf an. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit bekommen wir noch vor Ort Mittag, bevor es an Bord geht.

Nachdem die drei Passagiere und die beiden Bootsführer eingestiegen sind, geht es los. Schnell wird klar, warum der Zeitplan hier nicht hinhaut. Der Fluss ist aufgrund der Trockenzeit zum Teil sehr niedrig und Bäume, die überall im Wasser liegen, erschweren das vorankommen. In einem Zickzack-Kurs navigieren wir durch den Fluss. Immer wieder schrammen wir über Baumstämme, geben Vollgas, um durch ein Gebüsch zu kommen oder halten auch mal, um Tiere zu beobachten.

Einmal bleiben wir auf einem Baumstamm hängen, sodass die beiden Guides auf diesen steigen müssen, um das Boot weiterzuschieben. Wir sehen Vögel, Affen, Schildkröten und Amazonasdelfine, die größten Flussdelfine der Welt. Pink sind sie aber im Moment leider nicht.

Nachdem wir einen kurzen Stopp an der großen Lagune eingelegt haben, die aufgrund des Wasserstands eher einer Flusslandschaft gleicht, geht es weiter. Sechs Wochen zuvor war der Wasserstand wohl noch vier Meter höher, aber die letzten drei Wochen hat es keinen Tropfen geregnet und so liegt nun vieles trocken.

Nach mehr als vier Stunden kommen wir dann doch an der Lodge an. Im Hostel war noch von zwei Stunden die Rede, aber wir erfahren, dass es auch sechs Stunden dauern kann, bevor der Bootsverkehr wegen zu geringer Wassertiefe ganz eingestellt wird. Ich bin froh, dass wir doch noch ganz gut durchgekommen sind.

In der Lodge, die bis zu 21 Personen beherbergen kann, treffen wir auf weitere fünf Personen, die bereits ein paar Tage hier sind und am nächsten Tag abreisen werden. Aufgrund der geringen Menge der Personen werde ich die drei Nächte den 4-Bett-Schlafsaal für mich haben.

An diesem Abend haben wir noch eine Paddeltour auf dem Fluss, bei der ich dummerweise meine Sonnenbrille verliere, weil ich selbst aussteige, als wir auf einem Baumstamm hängen bleiben. Keine Ahnung, warum ich die bei einer Abendtour überhaupt dabei habe! Unser Guide, der uns begleitet, fühlt sich am nächsten Tag übrigens überhaupt nicht fit und begibt sich zum Arzt. Wir sehen in die nächsten drei Tage nicht wieder.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass es vier Tage zuvor ein offenbar nun bestätigter Covid-Fall vorlag. Möglicherweise hat es auch den Guide getroffen. Ich merke aber zum Glück nichts.

Nach dem Frühstück geht es in den Wald, wo wir außer ein paar interessanten Pflanzen wie Wanderpalmen, die sich bis zu 40 cm im Jahr bewegen, und ein paar Tapirspuren nichts Interessantes entdecken. Unser Guide Carlos lässt sich allerdings von einer Bullenameise in den Arm beißen. Der Schmerz dauert wohl bis zu 24 Stunden an. Daher wollen wir es lieber nicht probieren. Er macht dies wohl aber alle paar Tage und meint, das Gift Stärke sein Immunsystem und er sei seit vielen Jahren nicht mehr krank gewesen. Nach dem Mittag lege ich mich einen Moment hin und schlafe direkt ein. Hitze und Tour haben ordentlich müde gemacht.

Am späteren Nachmittag geht es mit dem Boot zur großen Lagune, um nach einer Anaconda zu suchen. Wie bereits erwähnt, ist die Lagune ziemlich ausgetrocknet und so geht es zumeist durch Schlamm. Teilweise ist es ein Kampf, die Gummistiefel wieder zu lösen. Einmal verliere ich den Stiefel, weil er sich so fest gesaugt hat. Zum Glück liegt ein Baumstamm in der Nähe, auf den ich mich Knien kann, um dann mit beiden Händen am Stiefel zu ziehen, während der Schlamm langsam hineinsickert. So viel zur Tiefe des „Moores“!

Danach geht es durch einen Fluss, der sich als tiefer als erwartet entpuppt, sodass nun die Gummistiefel mit Wasser volllaufen. Zum Glück ist das Handy in der Hosentasche noch trocken geblieben. Also auf der anderen Seite die Stiefel erstmal ausschütten.

Da ich inzwischen nass und schlammig bin, mache ich mir keine Gedanken über den Schmutz mehr, sondern spaziere ganz entspannt weiter, während meine Socken bei jedem Schritt ein schmatzendes Geräusch von sich geben. Nach weiteren Schlammschlachten finden wir aber schließlich eine circa sechs Meter lange Anaconda. Der Ausflug hat sich also gelohnt!

Eigentlich wollen wir uns noch den Sonnenuntergang anschauen, aber hinter Wolken ist kaum etwas davon zu sehen. Stattdessen gehen wir, als wir zum Boot zurückkommen, mit allen Klamotten baden, während die Wertsachen im Boot warten dürfen, wie wir den Schmutz von der Kleidung abwaschen.

In der Dunkelheit geht es zurück zur Lodge. Unterwegs entdecken wir mit der Taschenlampe einige Kaimane und eine weitere noch recht kleine Anaconda am Flussufer. Einen 6-Meter-Kaiman entdecken wir aber nicht.

Den dritten Tag verbringen wir im 82-Personen-Dorf Tarapuya des indigenen Stammes der Siona, die mit einer Gesamtbevölkerung von circa 350 Personen in vier Dörfern in diesem Bereich des Regenwaldes wohnen. Insgesamt leben fünf verschiedene Volksstämme im Gebiet des Cuyabeno-Flusses.

Dort lernen wir Yuca-Brot herzustellen, dass tatsächlich zu 100 Prozent aus Yuca besteht. Kein Salz, kein Zucker, kein Mehl, kein Wasser! Wir ernten Yuca. Die Wurzel hält sich unverarbeitet wohl nur ein paar Tage, was möglicherweise der Grund ist, warum man sie in Europa eher nicht findet. Dann wird geschält, gerieben, Wasser ausgepresst, gesiebt. Die trockene Mehl-/Faser-Menge wird dann auf einer Platte erhitzt und die Stärke bindet die Masse wieder zu einer Einheit.

Wir essen das Brot mit Thunfischsalat, Marmelade und Obst. Es ist gut und schmeckt nicht so süß wie viele der Brote. Danach haben wir die Möglichkeit, im Ort hergestellte Ketten und Armbänder zu kaufen, um den Ort zu unterstützen.

Der dritte Punkt ist der Besuch beim Schamanen des Dorfes, der uns das lokale Gesundheitssystem erklärt. Es gibt ein Getränk, dass die Abwehrkräfte stärken soll und angeblich auch bei Covid hilft. Wir probieren es und es schmeckt ziemlich scheußlich.

Bei Schmerzen in Muskeln und Gelenken hilft es, die entsprechenden Stellen mit einer Pflanze zu schlagen, die kleine Stacheln besitzt. Wir probieren es natürlich aus. Akupunktur ist nichts gegenüber dieser Behandlung. Es schmerzt und brennt heftig und es entsteht ein Ausschlag, der die Durchblutung fördert, sodass es ziemlich warm wird. Nach ein paar Minuten lässt der Schmerz etwas nach und nach ein bis zwei Stunden ist nichts mehr zu spüren und auch der Ausschlag ist wieder weg. Die Wärme hat die Verspannungen etwas gelöst, aber ein Wärmepflaster oder Voltaren-Creme hätte vermutlich den gleichen Effekt auf weniger schmerzhafte Weise gehabt.

Ist die Krankheit nicht direkt erkennbar, hat der Schamane ein halluzinogenes Getränk, was er abends trinkt und die Aura des Patienten untersucht, nachdem den Tag über gefastet wurde. Bei psychischen Erkrankungen, Traumata und Lebensunklarheiten kann der Patient das Getränk auch selbst einnehmen, um einen klaren Blick zu erhalten und zu Erkenntnis zu gelangen. Frakturen und Tumore werden ins Krankenhaus überwiesen. Alles andere wird im Ort geheilt. Die verschiedenen Pflanzen bieten offenbar für alles eine Lösung.

Am Ende bekommen wir noch etwas Duftöl, dass böse Geister vertreiben soll, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

In der Hängematte liegend, schlafe ich direkt wieder ein und muss in mehreren Versuchen geweckt werden, als es mit der Schokoladen- und Kaffeeproduktion weitergeht. Wir rösten und schälen die fermentierten Früchte der beiden Pflanzen und dann werden sie jeweils zu einem Pulver gemahlen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich sowas mache, aber es macht trotzdem Spaß.

Danach geht es nochmal auf den Fluss. Wir wollen Piranhas angeln, um sie dann wieder in den Fluss zu werfen, da dies hier für Touristen eigentlich nicht erlaubt ist. Zweimal packen wir die Angeln schnell weg, weil sich ein anderes Boot nähert. Tatsächlich fangen wir keinen Piranha, was dem Guide wohl noch nie passiert ist, aber zumindest zwei kleine Cat-Fische, die wir auch mitnehmen, da es diese hier zu Dutzenden gibt und die es zum Abendessen dazu gibt.

Im Dunkeln geht es dann nochmal in den Wald, um ein paar Nachtlebewesen zu entdecken. Wir finden diverse Spinnen, darunter Wolfsspinne und Tarántula, Frösche, Fledermäuse und eine kleine Schlange. Die Fledermäuse sind übrigens in Masse auch bei Dämmerung über dem Fluss anzutreffen, auf der Jagd nach Insekten.

Am vierten Tag steht die Rückfahrt an. Wir brauchen diesmal ganze fünf über den Fluss, da dieser weiter abgesunken ist und die beiden Guides mehrfach aussteigen müssen, um uns bei einigen Passagen zu schieben, als wir auf dem Grund aufsetzen. Einmal bin ich schon dabei, die Schuhe ausziehen, um zu helfen, aber wir dürfen jedes Mal sitzen bleiben. Im Gegensatz zu dem Boot hinter uns, das mit zwölf Personen ziemlich überladen ist und wo jedes Mal die Hälfte aussteigen und helfen muss.

Danach geht es weitere 11 Stunden im Bus zurück nach Quito, wo wir gegen 23 Uhr wieder ankommen. Die Tour war richtig cool und ich würde sie jederzeit wieder machen. Es gab so viele Tiere zu sehen und es war auch mal gut, keinen Handyempfang zu haben.

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