El Chimborazo

Der inaktive Vulkan Chimborazo mit einer Höhe von 6263 Metern der höchste Berg Ecuadors. Aufgrund seiner Nähe zum Äquator und der aus der Erdrotation resultierenden Zentrifugalkraft ist es zudem der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Ort auf unserem Planeten.

Besuchen kann man den Berg am besten von der Großstadt Riobamba aus, welche in 2700 Metern Höhe in den Anden liegt. Aufgrund der Größe sind die meisten Gebäude eher pragmatisch, aber ein paar Kolonialbauten findet man auch hier. Hervorheben möchte ich auch das Hostel „Villa Bonita“ mit seinen 2,5 Meter hohen Türen und 4 Meter hohen Wänden und diversen antiken Möbeln. Außerdem hat es ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Am Tag nach meiner Ankunft in Riobamba nahm ich den Bus zum Eingang des Chimborazo-Nationalparks auf 4300 Metern Höhe. Von dort aus wanderte ich bergauf. Direkt nach 2 Minuten merkte ich ein leichtes Schwindelgefühl aufgrund der Höhe und verlangsamte meine Schritte. Wenn Kopfschmerzen dazu kamen, legte ich eine kleine Pause ein.

Kontinuierlich folgte ich der Straße. Zweimal wurde ich gefragt, ob ich mitfahren wollte, aber ich ging zu Fuß weiter. Ich erreichte den Parkplatz auf 4800 Metern, dann den ersten Schnee und schließlich eine kleine Lagune in 5100 Metern. Dort verweilte ich eine Stunde, um mich an die Höhe zu gewöhnen, bevor ich mich wieder an den Abstieg machte.

Als ich unten angekommen war, hatte es angefangen zu hageln und so wartete ich nicht auf den Bus sondern versuchte jedes Auto anzuhalten. Das dritte Auto (nach 20 Minuten) hielt und nahm mich tatsächlich die ganze Stunde Fahrt bis zurück nach Riobamba mit. Trampen funktioniert also auch in Ecuador.

Da ich mit der Höhe recht gut zurechtgekommen war, buchte ich für die nächsten zwei Tage eine recht teure Gipfeltour inklusive Schnee- und Kletterausrüstung.

Um elf Uhr wurde ich beim Hostel abgeholt und es ging wieder Richtung Berg. Als wir eine Stunde später dort ankamen, war der Berg wegen eines Unfalles geschlossen, aber da der Guide die Leute kannte, durften wir passieren und bis zum Parkplatz hochfahren. Dort waren Bergungsteams von Feuerwehr und Polizei im Einsatz. Wir warteten mit anderen Personen, bis schließlich der Guide, der am frühen Morgen verunglückt war, von der Rettungsmannschaft den Berg hinunter gebracht wurde. Zu helfen war ihm aber leider nicht mehr.

Ich hatte die Tour bereits abgeschrieben, aber um zwei Uhr wurde der Berg wieder geöffnet und wir starteten zwei Stunden später als geplant den Aufstieg. Dieser war anstrengend, im Schnee etwas rutschig, aber machbar.

Nach drei Stunden erreichten wir das Camp auf 5350 Meter und rasteten dort. Ich hatte leichte Kopfschmerzen, aber nicht weiter bedenklich. Nach einem Abendessen, Tee und dem Sonnenuntergang ging es gegen 19 Uhr in den Schlafsack, in dem ich versuchte, mich wieder aufzuwärmen und und auszuruhen, da es gegen 23 Uhr weiter gehen sollte.

Allerdings wurden die Kopfschmerzen beim Liegen stärker und mein Puls war gefühlt die ganze Zeit über 90. Als meine Füße wieder warm wurden, kam ein komisches Gefühl im linken kleinen Zeh hinzu. Dennoch versuchte ich einzuschlafen, was mir aber nicht gelang. Nach zwei Stunden meinte ich, meinen Zeh überhaupt nicht mehr zu spüren, obwohl mein Körper inzwischen wieder komplett aufgewärmt war. Ich tastete nach ihm, spürte aber nichts. Mit sehr viel Druck konnte ich einen kleinen Schmerzreiz auslösen, aber auch den kaum spürbar. Zehn Minuten massierte ich den Zeh, bevor schließlich ein Kribbeln und dann das Gefühl in den Zeh zurückkehrte. Ich versuchte erneut zu schlafen, was mir aber nicht gelang.

Um 23 Uhr stand ich auf, ohne eine einzige Minute geschlafen zu haben. Auf einem Hocker sitzend mit einem heißen Tee wurden die Kopfschmerzen wieder erträglich. Ich überlegte, ob ich in dieser Kondition weitergehen konnte, entschied mich aber letztendlich dagegen. Beim weiteren Aufstieg würden die Kopfschmerzen bestimmt nicht weniger und ich wollte nicht meine Gesundheit aufs Spiel setzen. Außerdem war ich sehr müde, was zusätzliche Gefahren mit sich bringt.

Um Mitternacht legten wir Spikes an unsere Schuhe an, um auf dem über Nacht vereisten Schnee den Weg nach unten auf uns zu nehmen. Der Schnee klitzerte im Schein der Stirnlampe und aufgrund der Sterne und des Mondes war auch die Umgebung relativ gut sichtbar.

Der Abstieg klappte erstaunlich gut mit den 5 cm langen Metallklingen unter den Füßen und so erreichten wir wohlversehrt den Parkplatz. Mit jedem Meter wurden die Kopfschmerzen besser und kurz vor dem Parkplatz entdeckten wir dann noch einen Fuchs, der die Nacht für die Jagd nutzte.

Dann musste ich leider um drei Uhr nachts die Leute vom Hostel wachklingeln. War anders gedacht, aber ließ sich ja nicht ändern. Ich fiel ins Bett und als ich erwachte hatte sich auch der letzte Rest der Kompfschmerzen gelegt.

Es ist schade, dass ich nicht einmal die Hälfte des Aufstiegs geschafft habe, die Kletterausrüstung nicht brauchte und mitten in der Nacht zurückkehrte. Gerade bei so einem hohen Preis hätte ich die Tour gerne durchgezogen, aber letztendlich geht die Gesundheit vor und ich kenne mich mit solchen Höhen ja auch nicht aus.

Ich bin auf jeden Fall froh, sicher wieder unten angekommen zu sein und werde nun ein paar ruhigere Tage verbringen. Ich wünsche euch allen frohe und besinnliche Weihnachtage!

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