Der Verlust eines Handys

Bei dem folgenden Beitrag handelt es sich nicht um einen regulären Reisebericht. Es ist durchaus die Erzählung meiner Erfahrungen, aber eher eine Gruselgeschichte, die vom Verlust meines Handys und der damit verbundenen Furcht in einer dunklen Nacht erzählt. Im Nachhinein war es alles nicht so schlimm und ich habe inzwischen auch ein neues Handy.

Die Geschichte startet mit einer Strandparty. Da alles um 21 Uhr dicht machen muss, wird die Musik dann eben am Strand aufgedreht und dort gefeiert. Ich habe die Party, die einen Kilometer außerhalb des Ortes stattfand, nur zufällig auf dem Rückweg zum Hostel mitbekommen und bin einfach dazugestoßen. Es wurde getanzt, getrunken und das Leben genossen.

Irgendwie bin ich mit ein paar Jungs ins Gespräch gekommen und habe mit diesen Bier getrunken. Aber offenbar habe ich mir damit die falschen Leute für den Abend ausgesucht. Denn es handelte sich offenbar um Dealer, die später, als kaum noch jemand anwesend war, horrende Summen für die geteilten Getränke haben wollten. Um keinen Stress zu bekommen, bezahlte ich und wollte mich auf dem Weg zur Unterkunft machen, als ich bemerkte, dass mein Telefon nicht mehr da war.

Ich erzählte den Jungs, dass ich mein Handy verloren habe und einer behauptete, dass er jemanden ein Handy aufheben sehen hat. Ich ging dennoch die Orte ab, an denen ich mich aufgehalten habe, aber es war zu dunkel. Ich fragte, was ich jetzt machen könne und ob jemand Licht habe. Der eine Typ behauptete nun, dass er doch niemanden gesehen hat, er mein Handy aber wiederbeschaffen könne für eine entsprechende Kommission. Er könne noch nicht sagen, wie viel es koste, aber fragte, ob ich denn noch Geld dabei hätte, was ich, nicht ganz wahrheitsgemäß, verneinte. Auch wollte mir keiner mit Licht aushelfen.

Spätestens jetzt kamen mir die Typen suspekt vor. Leider waren aber nur noch wir vier übrig. Alle anderen waren bereits gegangen. Ich ging zum Strand und suchte allein, im Sand tastend, nach meinem Handy. Vielleicht war es der Alkohol, vielleicht die Dunkelheit und die aufkommende Angst, vielleicht auch nur meine schlechten Kenntnisse der spanischen Sprache, die mich aus einem Gespräch das Wort Mord heraushören ließen. In meinem Kopf drehten sich die Fragen, ob man mich jetzt für ein bisschen Bargeld umbringen wollte, obwohl ich doch gesagt hatte, dass ich nichts mehr habe. In meiner Panik, bewegte ich mich leise, aber zügig über den Strand, um mich dann in den Schatten einiger Bäume niederzulassen und auszuharren, mich umzuschauen und zu lauschen.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort saß und ab und zu ein Auto vorbeifahren hörte, bevor ich mich wieder bewegte. Ich wollte wieder zurück an die Stelle am Strand gehen, um nach meinem Handy zu suchen, obwohl doch eigentlich klar war, dass ich es nicht finden würde. Warum ist einem ein Handy so wichtig, dass man trotz Angst weiter danach suchen würde? Als ich allerdings eine Silhouette am Feuer sah, kehrte ich sofort um und lief am Strand entlang, bis ich eine Ansammlung von Bäumen oder einen kleinen Wald erreichte, den ich ohne Licht nicht betreten wollte. Stattdessen wandte ich mich in Richtung Straße und lauschte.

Auf der Straße war nichts zu sehen und zu hören, aber von einem Haus auf der anderen Seite hörte ich trotz der späten Stunde mir unbekannte Stimmen. Ich querte die Straße und fand vier Leute bei einem Bier zusammensitzen. Etwas unsicher beäugte ich die Anwesenden. Ich befand mich offenbar in einem Lokal und die beiden Inhaber saßen noch mit zwei Freunden zusammen. Ich erzählte, dass ich mein Handy verloren und vor den vermeintlichen Dieben Angst habe und durfte mich dazu setzen. Mit den Leuten zu sprechen und die beiden Hunde zu streicheln, beruhigte mich.

Nach mehr als einer Stunde war ich bereit, aufzubrechen und machte mich auf den Rückweg durch die Dunkelheit. Nach wenigen Minuten überholte mich der Typ mit einem Fahrrad. Ich versuchte ruhig zu bleiben und den Drang zu rennen zu unterdrücken. Er wäre mit Fahrrad eh schneller gewesen.

Als hätten wir noch kurz zuvor gesprochen, wiederholte er, dass er mein Handy wiederbeschaffen könne und ob ich denn Geld hätte. Ich sagte, dass ich nichts bei mir habe. Keine Ahnung, was passiert, wenn er glaubt, dass es was zu holen gibt! Er sagte, dass ich ihn um 2 in einem Lokal treffen solle, begleitete mich aber weiter auf seinem Rad. Als ich auf die Frage, wo mein Hotel sei, mit dem Puerto Viejo antwortete, zog er glücklicherweise von dannen. Bis zum Ort wollte er mir offenbar nicht folgen.

Circa zehn Minuten später erreichte ich das Hostel, mühte mich mit Schloss ab, bis ich es endlich geöffnet hatte und schloss die Tür hinter mir.

Ich versuchte, mich hinzulegen und zu schlafen, was mir allerdings nicht gelang. Wahrscheinlich war mein Adrenalinspiegel einfach noch zu hoch. Es war inzwischen 4:15 Uhr nachts. Nach einer Stunde stand ich wieder auf und lief durch das Hostel hin und her. Dann setzte ich, starrte in die Leere, trank Wasser, füllte meine Wasserflasche auf, ging zur Toilette, setzte mich wieder. Ich sah die ersten Personen aufstehen und das Hostel verlassen und auch wiederkommen. Keine Ahnung, wie ich das gemacht habe, aber ich verbrachte 4 Stunden damit, eigentlich nur rumzusitzen und vor mich hin zu starren.

Es ist erstaunlich, wie sehr ich auf mein Handy angewiesen bin, um mich abzulenken. Mehrfach wollte ich nach dem Telefon greifen, was aber nicht mehr da war. Auch in den folgenden Tagen bemerkte ich, wie viel Zeit ich offenbar am Handy verbracht haben musste. Ich wusste oft nichts mit mir anzufangen. Ist man heutzutage so abhängig von so einem kleinen Gerät?

Ich dachte daran, den Ort schnellstmöglich zu verlassen, entschied mich dann aber doch, die gebuchte Tour wahrzunehmen, um auf andere Gedanken zu kommen. Und es funktionierte! Das gemeinsame Herumlaufen mit anderen Personen ließ mich zur Ruhe kommen und die Müdigkeit kam dadurch auch durch, sodass ich der Tour nicht komplett folgen konnte. Es war aber trotzdem nett.

Auch wenn ich dadurch vielleicht mein Handy für 50 oder 100 Euro wiederbekommen hätte, entschied ich mich gegen das Aufsuchen des genannten Treffpunkts, weil die Personen einfach nicht nochmal sehen wollte. Da zahle ich 100 Euro mehr für ein neues Telefon. Stattdessen habe ich eine Verlustanzeige aufgegeben und bin dann um 16 Uhr endlich tief und fest eingeschlafen. Am nächsten Tag habe ich die schon länger geplante Fahrt nach San José angetreten.

Inzwischen habe ich mir ein neues Handy besorgt und bin wieder erreichbar.

2 Kommentare zu „Der Verlust eines Handys

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  1. Danke für den offenen und ehrlichen Bericht. Es ist immer wieder wohltuend, wenn ein (Reise-, Segler- oder sonstiger) Blog nicht nur Pastellfarben eines paradiesischen Lebens malt. Weiter viel Spaß in Costa Rica! Micha

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