Tortuguero & Rafting

Das war wahrscheinlich die teuerste Tour meiner Reise. Allerdings ging sie auch vier Tage inklusive langer Transportwege und dementsprechend frühem Aufstehen. Und es war sehr schön.

Los ging es am Donnerstag um 5:40 Uhr mit der Abholung durch den Shuttlebus. Dies hieß entsprechend Aufstehen gegen fünf. Der Kleinbus hielt an verschiedenen Hotels in San José an, um die verschiedenen Leute aufzunehmen, bevor es auf den Weg zum Treffpunkt mit den anderen Bussen ging. Dies hätte im Normalfall die Hauptstelle des Unternehmens sein sollen, für wo auch das Frühstück geplant war, aber aufgrund einer Straßensperrung trafen sich die Busse aus den unterschiedlichen Städten gegen 7:30 Uhr an einem Wanderparkplatz. Nachdem alle drei Shuttlebusse angekommen waren, wurden wir je nach Ziel (Rafting bzw. Tortuguero) neu auf die Busse verteilt.

Der Bus nach Tortuguero fuhr dann eine weitere Stunde bis zu einer Bootsanlegestelle an einem mittelgroßen Fluss. Dort wollte man für den Bootstransfer meinen Hotelnamen wissen, den ich allerdings nicht kannte und auch der Fahrer konnte nicht weiterhelfen. Ich glaube, er hat auch gar nicht verstanden, was ich wollte. Ich hatte von Exploradores, dem Reiseanbieter, per Mail lediglich die Bestätigung meiner Buchung und die Abholzeit, aber keine weiteren Informationen erhalten. Daher tätigte ich meinen ersten Anruf in Costa Rica und rief den Reiseanbieter an, der mir den Namen nennen konnte und sagte, dass jemand am Hafen warten würde.

Die Bootsfahrt dauerte eine weitere Stunde, vor allem deswegen, weil die Fahrt nicht besonders schnell war, da das Boot immer wieder aus dem Wasser ragenden Ästen und Baumstämmen ausweichen musste. Dies ließ Zeit, sich die Umgebung anzuschauen und ein paar Fotos zu machen. Bei der einen kleinen Schildkröte, die wir gesehen haben, habe ich es allerdings versäumt, ein Foto zu schießen.

In Tortuguero wartete tatsächlich jemand, der den Weg zur Unterkunft zeigte, wo es dann gegen halb 11 auch endlich Frühstück gab. Im Generellen war die vor Ort agierende Agentur Root Tours gut organisiert. Es gab einen klaren Zeitplan der Aktivitäten, den man abfotografieren konnte, um sämtliche Informationen zu haben.

Nach einer kleinen Verschnaufpause fand um 14 Uhr eine Führung durch den kleinen Ort statt, der fast ausschließlich vom Tourismus lebt. Einige der Häuser stehen auf Stelzen, da bei zu viel Regen bestimmte Flächen im Ort überflutet sind, was wohl zwei Wochen zuvor der Fall gewesen war. Demnach Glück gehabt! Wir sahen einen Affen mitten durch Dorf springen, der auch ein wenig aggressiv wurde, und erfuhren, dass der Nationalpark einer der wenigen Orte sei, in dem die Jaguarpopulation ansteigt und dass sich diese im Jahr rund 100 Schildkröten und auch ein paar Hunde aus dem Ort schnappen, wenn sie nichts anderes finden.

Um halb sechs war ein weiterer Gang zum Tour Office notwendig, um die Zeit für die abendliche Turtle Nesting Tour zu erfahren. Die Time Slots werden den Tourguides nämlich täglich zugelost. Unsere Tour sollte um 21 Uhr starten. Genug Zeit für mich, um nach dem Abendessen zwei Stunden Schlaf nachzuholen, die ich offenbar so dringend brauchte, dass ich trotz ziemlicher Hitze direkt einschlief.

Die Turtle Tour war ein richtiges Highlight. Nachdem sich alle Teilnehmer eingefunden hatten (gegen 21:20 Uhr, hier also praktisch pünktlich), machten wir uns auf den halbstündigen Weg zur Rangerstation. Dort erklärte uns der Guide den Ablauf.

Sobald eine Schildkröte gesichtet werde, werden Gruppen dorthin geschickt. Wie viele Gruppen, hängt von der Menge der Schildkröte in dieser Nacht ab. Dann muss man zügig unterwegs sein, da die Fundstelle durchaus ein ganzes Stück entfernt sein kann und das Eierlegen nur ca. 15 Minuten dauert.

Keine zehn Minuten später wurden wir auch schon auf den Weg geschickt und beeilten uns, zum mitgeteilten Strandabschnitt zu kommen und beobachteten die über einen Meter lange grüne Meeresschildkröte im Wechsel mit drei anderen Gruppen.

Von den insgesamt 7 Meeresschildkrötenarten, kommen Vier zum Strand von Costa Rica, um dort ihre Eier abzulegen. Beobachtet werden dürfen aber nur die Lederschildkröte und die grüne Meeresschildkröte, da die beiden anderen Arten vom Aussterben bedroht sind, diese beiden nur gefährdet.

Wenn die Schildkröte ans Land kommt, gräbt sie eine ca. 30 cm Tiefe Kuhle für sich selbst und ein nochmal so tiefes Loch für die Eiablage. Sobald die Ablage begonnen hat, ist die Schildkröte wie in Trance. Es gibt nichts wichtigeres als den Prozess zu beenden. Deshalb ist es auch möglich, sich ihr zu nähern. Sie bemerkt die Eindringlinge zwar, fährt aber dennoch fort. Allerdings waren sämtliche Lichtquellen und elektronische Geräte verboten, um Irritationen zu vermeiden. Deshalb gibt es auch keine Fotos. Die Guides agierten ausschließlich mit einen nicht ablenkenden Rotlicht, um uns den Prozess zu zeigen.

Nach der Eiablage schieben die Schildkröten das Loch mit ihren hinteren Flossen wieder zu. Dann schaufeln sie mit ihren Vorderflossen Sand über sich, um das Loch, in dem sie gelegen haben zu verschieben und den Eiablageort dadurch zu verstecken. Dieser Verschleierungsprozess dauert ca. 45 Minuten. Danach (insgesamt 1,5 – 2 Stunden später) begeben Sie sich wieder ins Meer. Wir hatten Glück, dass eine andere Schildkröte in der Nähe auf dem Weg zurück ins Meer war, sodass wie nicht so lange warten mussten.

Der Prozess der Eiablage ist übrigens der einzige Prozess, für den Meeresschildkröten das Wasser verlassen. Dabei legen sie ca. 100 Eier ihrer rund 800 Eier. Das heißt, eine Schildkröte wiederholt dies einige Male in der Session. Dafür legt sie allerdings auch nur alle zwei bis drei Jahre Eier.

Ca. 60 Tage später schlüpfen die Jungtiere und machen sich auf dem Weg ins Meer, wobei nur ca. 1 Prozent den ersten Tag überlebt und nur jede 1000. Schildkröte 25 Jahre später zum Eier ablegen zurückkommt. Denn die Tiere kehren immer zu dem Strand zurück, an dem sie selbst geboren wurden.

Den Prozess zu beobachten, war wirklich interessant. Zudem hatten wir zwischen 22 und 23 Uhr relativ klare Sicht, sodass sich ein Sternenhimmel zeigte, den ich so noch nicht gesehen hatte, inklusive Milchstraße und allem.

Auf dem Rückweg, der zum Glück nicht so lang war, da wir für die Schildkröte bereits diese Richtung eingeschlagen hatten, erwischte uns ein Regenschauer, aber wir sahen auch noch ein Faultier ziemlich nah.

Die Tour war klasse und ich kann sie nur jedem empfehlen.

Am nächsten Morgen ging es bereits um 6 Uhr mit der Kanufahrt in den Nationalpark los, um die Tiere in ihrer morgendlichen Aktivität zu beobachten. Dementsprechend steht man natürlich noch ein bisschen eher auf, um sich den Sonnenaufgang um 5:20 Uhr anzuschauen, der leider von einer ziemlich dicken Wolkendecke verdeckt wurde (trotzdem schön).

Auf der Bootstour konnten wir einige Vögel sowie Kaimane entdecken. Netterweise hatte das Boot einen kleinen Elektromotor, sodass wir nur ab und zu paddeln mussten. Denn die Müdigkeit war eindeutig zu spüren.

Am Nachmittag ging es dann noch in strömenden Regen zu Fuß in den Nationalpark, um Spinnen, Tukan, Faultier und Affen zu entdecken. Der Abend war dann recht kurz, da der nächste Tag noch früher starten sollte.

Um vier Uhr aufstehen, um um fünf das Boot zu nehmen, ist schon eine Herausforderung. Die Bootsfahrt, sowie der Transport mit Taxi und Kleinbus habe ich aufgrund der Müdigkeit kaum wahrgenommen. Einzig der Chiquita Banana Train, eine Eisenschiene, die durch die ganze Plantage führt und vor uns die Straße querte, ist mir in Erinnerung geblieben.

Nach einem Frühstück im Hauptquartier von Exploradores, gab es eine anderthalbstündige Raftingfahrt mit kleiner Pause zum Schwimmen, die bei einer Lodge endete, die mitten im Nirgendwo lag, ohne Handyempfang und großen Luxus, aber sehr idyllisch.

Den Nachmittag nutzte ich, um die Gegend zu erkunden, einen großen Bach bis zum Wasserfall hinaufzusteigen und mich mit einem spanischen Pärchen zu unterhalten, die ich hier, zwei Wochen nach der Busfahrt zum Vulkan Poás zufällig wieder traf.

Der Guide zauberte ein gutes Mittag, Abendbrot und Frühstück. Und auf einem Zuckerrohr konnte ich auch noch rumkauen.

Am nächsten Tag wurde die Raftingstrecke noch anspruchsvoller und dauerte 2,5 Stunden ohne Pause, hatte aber auch landschaftlich superschöne Abschnitte.

Nach dem Mittag wurde ich nach Puerto Viejo an die Karibikküste gebracht, wo ich die nächsten Tage verbringe.

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